GESCHICHTE

Das Gründungsjahr 1897

Die Misere mit den Pflichtfeuerwehren bleibt auch der königlichen Regierung, der Kammer des Inneren, in München nicht verborgen. Sie richtet am 14.November 1896 an alle Bezirksämter des Regierungsbezirkes ein Schreiben mit der Aufforderung, in allen Gemeinden freiwillige Feuerwehren zu gründen. Aus dem Schreiben geht hervor, dass das freiwillige Feuerlöschwesen in Bayern einen hohen Stand der Entwicklung aufweist. Leider gebe es aber immer noch Gemeinden, die dem nicht das gewünschte Interesse entgegen bringen. Dazu gehöre auch die Gemeinde Anglberg. Die Regierung lege aber sehr viel Wert darauf, " dass an die Stelle der Pflichtfeuerwehren, wo immer tunlich , freiwillige Feuerwehren treten, da die Dienstleistungen der Letzteren im Allgemeinen wohl als ersprießlicher erachtet werden dürfen.“Die Ämter wurden deshalb aufgefordert,“  die Gründungen in Anregung zu bringen und denselben ein ganz besonderes Augenmerk zu widmen.“

 

Anglberg, letzter Ort ohne FFW im Bezirk Freising

Am 30.November 1896 meldet der Feuerwehr-Bezirksvertreter dem königlichen Bezirksamt ,dass nur noch in der Gemeinde Anglberg eine reine Pflichtfeuerwehr bestehe, obwohl in den letzten Jahren die Gründung einer FFW öfter, aber ohne Erfolg, angeregt wurde. Gegenwärtig besitzen die Gemeinden Zolling und Anglberg eine gemeinschaftliche Druckspritze. Deshalb müsse letztere „mit den Geräten der freiwilligen Feuerwehr Zolling ihre Übung abhalten.“

Freiwillige Feuerwehr Anglberg 1897-1914

Ein Wink mit dem Zaunpfahl

Am 12.Dezember 1896 wurde Bürgermeister Ziegltrum aufgefordert,“dass es mit Rücksicht auf die erheblichen Vorzüge wohl angezeigt sei, dass die Gemeinde aus ihrer Ausnahmestellung heraustrete und die dortigen, dazu befähigten Männer sich freiwillig zu einem Verband vereinigen, mit dem erhabenen Zweck,eine geordnete und systematische Hilfeleistung bei Brandfällen zu gewähren. Dem Nächsten zu Nutz, dem Feuer zum Trutz!“ Das Schreiben endet mit der Bemerkung:“Ich ersuche Sie deshalb,auf Gründung einer freiwilligen Feuerwehr in ihrer Gemeinde hinzuwirken und mir über das Ergebnis Ihrer Bemühungen binnen zwei Monaten zu berichten.“

 

Zur Gründung zwei Monate Zeit

Bis zum 12.Februar 1897 hatte der Bürgermeister Zeit, dem Bezirksamt die Gründung anzuzeigen. Am 21.Februar ging in Freising die Vollzugsmeldung ein. Hier der Wortlaut des Schreibens: “Um die Gesinnung der Gemeindebürger der Gemeinde Anglberg bezüglich Gründung einer freiwilligen Feuerwehr kennenzulernen,berief der gehorsam Unterfertigte auf Sonntag, den14. des Monats. im Wirtshause zu Flitzing eine Gemeindeversammlung und ebenso dazu auch den Gemeindeschreiber und Lehrer Anneser von Zolling,welcher zugleich Vorstand der freiwilligen Feuerwehr Zolling ist. Dieser verlas das bezirkamtliche Auftragsschreiben und erörterte hieran in längerem Vortrag den Wert einer systematisch geregelten Feuerwehr und die höchst eigentümliche Stellung der Gemeinde Anglberg im Bezirksamtssprengel Freising. Hierauf erfolgte Umfrage durch den Vortragenden ergab, dass sich ungefähr 20-27 Männer herbeilassen, eine freiwillige Feuerwehr zu gründen.Sofort machte Gemeindeschreiber Anneser den Vorschlag, nächsten Sonntag,den 21.ds.Mts. in Anglberg eine Versammlung abzuhalten,um die Gründung der freiwilligen Feuerwehr, die Wahl der Chargierten etc. vorzunehmen.Seinem Vorschlag wurde zugestimmt und da er zugleich erklärte, die Versammlung zu leiten und den provisorischen Schriftführer machen zu wollen, so dürfte es zweifellos sein, dass am Sonntag die Gründung der Freiw.euerwehr Anglberg perfekt sein wird. Jedenfalls wird von dem provisorischen Schriftführer in den ersten Tagen der nächsten Woche Bericht über den Stand der Angelegenheit an das Kgl.Bezirksamt Freising abgeschickt werden. Gehorsam: Gemeindeverwaltung, Anglberg; Ziegltrum,Bürgermeister

Modell altes Feuerwehrhaus

Modell neues Feuerwehrhaus

Die „Gründungsurkunde“

Die Gründung der Feuerwehr Anglberg lässt sicht exakt nachvollziehen.

Hier das Originalschreiben der ersten Vorstandschaft,die dem Bezirk die Gründung vom 21.Februar aber erst am 9.März 1897 meldete:

„Dem königlichen Bezirksamt bringt man zur Anzeige,dass sich am 21.Februar 1897 in der Gemeinde Anglberg eine freiwillige Feuerwehr gebildet hat.Zur selben haben sich bis jetzt 22 Mann gemeldet, es steht aber zu erwarten ,dass die Feuerwehr in Bälde 30 Mann zählt. Als Vorstand wurde gewählt Lorenz Eisgruber, Wirt in Flitzing, als Hauptmann Johann Wild, Gütler in Flitzing ,als Kassier und Schriftführer Alois Wiesheu, Wirt in Anglberg. Man hat die Gründung der Feuerwehr auch dem Herrn Bezirksfeuerwehrvertreter Schmid mitgeteilt. Mit der Berichterstattung hat man so lange gezögert, weil man hoffte inzwischen würden die Anmeldungen zahlreicher und man könnte mit einer imposanteren Zahl aufrücken. Die Feuerwehr ist nun wohl gegründet, aber nicht ein Lösch-und Rettungsgerät ist vorhanden. Man bittet daher das Kgl.Bezirksamt Freising, die Gemeinde Anglberg zu veranlassen, dieselben zu beschaffen. Es dürfte hierzu bei der Gemeinde hoffentlich Geneigtheit bestehen, wo die Mehrzahl der Gemeindeausschussmitglieder bereits zur freiw. Feuerwehr beigetreten ist, oder derselben doch wenigstens wohlwollend gegenübersteht.

Gehorsam: Der Vorstand der freiw.Feuerwehr; Lorenz Eisgruber; Anneser, prov.Schriftf.

 

Die erste eigene Feuerlöschmaschine

Lange  Zeit war die Anglberger Feuerwehr auf das Entgegenkommen der Zollinger angewiesen, wenn es um die Benutzung der Feuerspritze ging. Nachdem das Bezirksamt darauf gedrängt hatte, meldete Bürgermeister Ziegltrum am 8.Dezember 1897 dem Bezirksamt: Nachdem nunmehr das Gutachten des Herrn Bezirksvertreters Schmidt eingetroffen ist, wird berichtet,dass sich die Gemeinde Anglberg von Kirchmayers-Nachfolger München, am 21.November laufenden Jahres ,eine neue Feuerlöschmaschine zu dem Preis von 1200 M gekauft hat. Die Maschine ist in einer Remise des Wirtes Eisgruber in Flitzing untergebracht.“ Damit hatte sich die Anglberger Feuerwehr nach vielen Jahren der Gemeinsamkeit von Zolling gelöst. Die Freundschaft aber blieb erhalten.

 

Heute zählt die FFW Anglberg zu den „Kleinen“ im Landkreis Freising, klein aber aktiv! Ausgerüstet mit einem Tragkraftspritzenfahrzeug mit Fahrzeugtypischer Beladung und einer modernen TS/8/8 stehen 30 Aktive, darunter 4 Frauen, bereit zum Einsatz.